{"id":461,"date":"2011-02-16T17:17:00","date_gmt":"2011-02-16T15:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.boriszatko.com\/?p=461"},"modified":"2011-02-28T12:13:27","modified_gmt":"2011-02-28T10:13:27","slug":"das-leben-der-anderen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.boriszatko.com\/?p=461","title":{"rendered":"DAS LEBEN DER ANDEREN"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.boriszatko.com\/wp-content\/uploads\/Das-Leben-der-Anderen.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-460\" title=\"Das-Leben-der-Anderen\" src=\"https:\/\/www.boriszatko.com\/wp-content\/uploads\/Das-Leben-der-Anderen.jpg\" alt=\"Das-Leben-der-Anderen\" width=\"890\" height=\"492\" \/><\/a><\/p>\n<p>Neulich wurde mir ein bemerkenswerter Nebeneffekt beim Schreiben erstmals so richtig bewusst: Das v\u00f6llige Eintauchen in das Leben meiner Charaktere.<\/p>\n<p>Ich verbringe t\u00e4glich Stunden mit meinen Figuren, k\u00fcmmere mich um ihre Sorgen und N\u00f6te, teile ihre Freude und ihr Leiden. Wenn ich dann abends heimkehre, bin ich davon meistens noch v\u00f6llig mitgerissen. Das geht manchmal sogar so weit, dass ich im ersten Moment nicht f\u00e4hig bin, meiner realen Familie die ihr verdiente Aufmerksamkeit zu schenken.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich beschleicht mich dabei ein schlechtes Gewissen, auf der anderen Seite jedoch auch eine gewisse Zufriedenheit. Es ist das Gef\u00fchl, meine Figuren w\u00fcrden wirklich existieren, was sie umso glaubhafter macht. Aber dieser Effekt hat auch etwas be\u00e4ngstigendes. Ich habe einmal geh\u00f6rt, dass Schauspieler nach einer Auff\u00fchrung f\u00fcr einen geraumen Zeitraum Narrenfreiheit genie\u00dfen. Dies, weil sie derma\u00dfen in ihrer Figur stecken, dass sie f\u00fcr ihr Handeln nicht zur Rechenschaft gezogen werden k\u00f6nnen. Vielleicht ist das ein Mythos, aber falls es tats\u00e4chlich der Wahrheit entspricht, so kann ich es doch auf eine gewisse Art nachvollziehen. Allerdings erwarte ich von meiner Familie nat\u00fcrlich kein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wenn ich mich von gewissen Haushaltspflichten mit der Begr\u00fcndung dr\u00fccke, ich sei noch zu sehr davon ersch\u00fcttert, wie entsetzlich eine meiner Figuren beim Kampf gegen ein Unget\u00fcm gelitten hat.<\/p>\n<p>Gleichwohl. Dieser Effekt fasziniert mich ungemein. Es ist, als ob mich meine Berufung nie wirklich losl\u00e4sst. Es ist im wahrsten Sinne eine Leidenschaft.<\/p>\n<p>Ich frage mich, ob dies nur denjenigen passiert, die das Gl\u00fcck haben, das tun zu d\u00fcrfen, was sie wirklich lieben. Dies mag anma\u00dfend klingen, aber ich bezweifle irgendwie, dass der Mitarbeiter eines Fastfoodrestaurants auch so was erlebt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich w\u00e4hrend des Feierabends noch viele Gedanken \u00fcber das Schicksal der verkauften Fritten und Burger macht. Nat\u00fcrlich wirkt jede Arbeit am Ende des Tages nach, und man besch\u00e4ftigt sich mit den Dingen, die man w\u00e4hrenddessen erlebt hat, aber das meine ich nicht. Es geht mir eher um das Gef\u00fchl, dass man eins wird mit dem, was man tut. So sehr, dass man gro\u00dfe M\u00fche hat, sich davon zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Wie ist das bei euch? Inwiefern beeinflusst euer Beruf eure Gef\u00fchle und Gedanken? Das n\u00e4hme mich wirklich wunder.<\/p>\n<p><em>P.S.: In der Rubrik &#8222;Kurzgeschichten&#8220; gibt es eine neue \u2026 genau: Kurzgeschichte!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neulich wurde mir ein bemerkenswerter Nebeneffekt beim Schreiben erstmals so richtig bewusst: Das v\u00f6llige Eintauchen in das Leben meiner Charaktere. Ich verbringe t\u00e4glich Stunden mit meinen Figuren, k\u00fcmmere mich um ihre Sorgen und N\u00f6te, teile ihre Freude und ihr Leiden. Wenn ich dann abends heimkehre, bin ich davon meistens noch v\u00f6llig mitgerissen. 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