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DRUCKAUSGLEICH

Druckausgleich

Manchmal leuchtet die schöpferische Inspiration auf Sparflamme. Dann läuft es nicht so, wie es sollte, oder noch schlimmer, wie man will. Da ist jeder Strich stümperhaft, jedes Wort desaströs und jede Idee kümmerlich. Man kommt sich vor wie der peinlichste Kandidat bei „Deutschland sucht den Superstar“, als absoluter Versager. Früher habe ich mich trotz völligem Kreativitäts-Vakuum stundenlang gequält, doch noch etwas Vernünftiges auf’s Blatt zu knorzen, was am Ende natürlich nur Futter für den Papierkorb wurde. Mein Gewissen biss mir dabei vorwurfsvoll in den Nacken, denn man muss ja seine wertvolle Arbeitszeit in diesen leistungsorientierten Zeiten verdammt noch mal sinnvoll nutzen. Außerdem versteht es niemand, wenn man erklärt, man habe den lieben langen Tag vor lauter Frust nix auf die Reihe gekriegt. Da erntet man nur Spott und Hohn, und überhaupt: Selbstständige haben es doch so schön! Die können aufstehen, arbeiten, Feierabend machen, wann immer es ihnen beliebt, diese verwöhnte Künstler-Bagage!

Aber irgendwann sah ich ein, dass es absolut in Ordnung ist, manchmal ein erschöpftes, völlig unnützes Mitglied der Gesellschaft zu sein. Und ich bin mir sicher, selbst der Papst furzt mal in der Kirche. Also Schwamm drüber!

Darum genieße ich mittlerweile die gelegentliche Schwermut sogar, schaue einen Film, trinke ein Glas Wein und lasse den Druck links liegen. Denn eines ist dabei sicher: Die darauf folgende Leidenschaft glüht dafür umso stärker.


  1. Kaffeeklecks 12:41 am 9.Oktober 2009

    Als heimlicher Leser deines Blogs, habe ich bisher geschwiegen und genossen. Diesmal sprichst du mir aus vollem Herzen und oute mich ebenfalls als gelegentlichen Müßiggänger. In diesem Sinne: Hoch die Tassen wenn die Ideen fließen, und einen Gang runterschalten wenn es mal nicht läuft. Danke…..


  2. Boris 12:41 am 10.Oktober 2009

    Na, das freut mich sehr! Schön, dass du dich geoutet hast :-). Und stoßen wir an: Ein Hoch auf die Tiefs!

    Viele liebe Grüße

    Boris


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