Journal
02. Dezember 2009 / 9 Kommentare

Disziplin

Ich unterscheide zwischen zwei Arten von Menschen. Denjenigen, die nach Gründen suchen, eine Idee umzusetzen, und diejenigen, die nach Gründen suchen, eine Idee nicht umzusetzen. Oder auch anders formuliert: Es gibt Leute, die wollen gerne, und es gibt Leute, die würden gerne. Ich zähle mich seit jeher zur ersten Kategorie, denn die zweite kommt nicht weit.

Ideen haben alle, davon bin ich überzeugt. Diese aber auch wirklich umzusetzen, das gelingt leider nur den wenigsten. Was braucht es also neben der Lust, der Leidenschaft und der Freude? Es ist ganz simpel: knallharte Disziplin! Und diese zu erlangen ist ein hartes Stück Arbeit. Von der Idee bis zum fertigen Produkt durchleidet man nämlich viele Stationen, die eine ganze Palette von Gefühlen abdecken, und dazu gehören auch Zweifel, Unsicherheit, Wut und Enttäuschung – die ganzen Ablenkungen, die die heutige Spaßgesellschaft zusätzlich in die Schlacht schickt, um uns Kreative in die Knie zu zwingen, die will ich erst gar nicht erwähnen. Auf alle Fälle gibt es etliche Hürden auf dem Weg zur Vollendung einer vielleicht brillanten Idee. Und wie kann man diese emotionalen Stolpersteine umschiffen?

Mit Disziplin!

Ja, die gute alte Disziplin. Das Wort, für das man, wenn man es wagt, es heutzutage in den Mund zu nehmen, als rückständiger und Peitsche schwingender Drillmeister beschimpft wird. Mir egal, denn ohne sie würde ich wohl nur versonnen davon reden, was für tolle Projekte ich in meiner Schöpfungsschublade liegen habe. Aber der Mensch definiert sich nun mal leider nicht dadurch, was er redet, sondern, dadurch, was er tut – und vor allem auch durchzieht. Und nur Disziplin hält den Tatendrang am laufen. Und der erste Schritt zur Disziplin ist, eine Umsetzung auch wirklich zu wollen. Denn erst, wenn man etwas wirklich will, kann man auch auf diejenigen Dinge verzichten, die das gesteckte Ziel verschleiern. Nur so bleibt die Lust in der Spur, die Leidenschaft am pochen und die Freude am glühen. Alles andere ist Mumpiz. Darum, meine Lieben, wenn ihr eine Idee habt, und diese auch wirklich umsetzen wünscht, dann lernt, richtig zu wollen, die Disziplin ist euch dafür dankbar. Das ist manchmal quälend, aber das Resultat lohnt.

Das soll jetzt nicht heißen, dass ich ein Musterbeispiel für Disziplin bin. Höchstens was das Geschichten erzählen betrifft, aber das war’s dann auch schon. In Bezug auf zum Beispiel Buchhaltung, fällige Hausarbeiten und sonstigen Verpflichtungen, die uns der Alltag aufbürdet, bewege ich mich an der Grenze zum Versager und werde nicht müde, nach Gründen zu suchen, diese Aufgaben so weit wie möglich aufzuschieben.

Oder auch positiver ausgedrückt: ich würde diese Verpflichtungen höchstens gerne besser können.

17. November 2009 / 5 Kommentare

Toms-Reise-1V

In diesem Fall sogar im wörtlichen Sinne.

Dem einen oder anderen wird der Tom ja bekannt sein. Lange ist er von der Bildfläche verschwunden, mitunter auch deshalb, weil mir einfach schlicht und ergreifend die Zeit fehlte, seine Reise fortzuführen. Aber er wuselte mir ständig im Bewusstsein herum. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er wieder auftauchen würde, um sich erneut auf den Weg zu machen. Nun ist er also wieder da, und ich denke, er wird auch noch eine lange Zeit bleiben.

Allen, die das voran Geschriebene als kryptischen Erguss eines geistig umnachteten Kreativen verstehen, sei zur näheren Information folgender Link empfohlen. Ich freue mich jedenfalls auf viele neue spannende Etappen und wünsche viel Vergnügen bei Toms Reise.

06. November 2009 / 6 Kommentare

Recherche-1

Unverschämt viele Leute reden von Dingen, von denen sie nix verstehen. Das mediokre Mitreden ist vor allem bei gesellschaftlichen Anlässen ein nicht ignorierbares Übel. Man sollte meinen, opportunistisches Dabeiseinwollen würde durch damit verbundene peinliche Erlebnisse in der Pubertät ausgemerzt, aber leider lernen die meisten Menschen nicht aus ihren Fehlern. Ich habe auch meine Fehler, aber ich halte lieber den Mund und höre zu, wenn es um etwas geht, wovon ich keine Ahnung habe, denn dann lerne ich vielleicht etwas dazu.

Beim Schreiben und Zeichnen ist es dasselbe. Da hat man eine gute Idee, aber anstatt bei der Umsetzung die Hintergründe auszuleuchten, schreiben und zeichnen die meisten einfach drauf los. Am Ende kommt nur gequirlter Matsch dabei heraus, und man fragt sich zurecht: Hat der Typ überhaupt Ahnung von dem, was er da erzählt?

Um solch ein hartes Urteil zumindest abzuschwächen, ist Recherche das Beste, was es gibt. Einfach drauflos Kritzeln, ohne zu wissen, was man da eigentlich zu Papier bringt, ist der Tod jeder Eingebung.

Aber Recherche bedeutet auch immer eine Reise ins Ungewisse, denn es kann gut sein, dass man bei eingehenden Studien merkt, dass die Idee aufgrund gewisser Fakten nicht umsetzbar ist. Oder aber, das Thema wird so komplex, dass einem die Arbeit daran zu erdrücken droht. Dann muss man entscheiden, ob man sich auf ein solches Abenteuer einlässt, oder aber, ob man doch lieber bei seinen Leisten bleibt. Meistens trennt sich genau hier die Spreu vom Weizen.

Die Fülle an offenen Fragen kann abschreckend wirken, aber man sollte sich einer solchen Expedition stellen, denn was dabei heraus kommt, ist meist mehr, als man am Anfang zu erfahren hoffte, selbst dann, wenn man die ursprüngliche Idee am Ende fallen lassen muss. Ich liebe Recherche, denn sie steckt voller Überraschungen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist meine Adaption vom „Das Wirtshaus im Spessart“. Ich wollte schon lange diesen Comic zeichnen, aber als es dann konkret zur Sache ging, war ich doch ein wenig erschlagen von dem, was da alles dran hing. Es reicht hier bei Weitem nicht, einfach nur lustige alte Kostüme, ein unheimliches Wirtshaus und ein paar Räuber Hotzenplotze zu zeichnen, das Resultat würde einfach lächerlich. Also entschied ich mich für eine Recherche vor Ort, packte meine Koffer und verbrachte eine Woche im Spessart-Wald.

Recherche-2

Klar, es gibt Bücher und das Internet, aber das kann niemals die Eindrücke aufwiegen, die man sammelt, wenn man selber in die Materie eintaucht, die Atmosphäre und den Geruch am Ort des Geschehens aufnimmt. Man lernt neue Leute kennen, entdeckt frische Sichtweisen auf das Thema und erfährt Dinge, die einem einen neuen Zugang zur Geschichte ermöglichen.

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Ist man zu Beginn einer Recherche erdrückt von Unwissenheit und dem Zweifel, auf die Flut an Fragen auch die richtigen Antworten zu finden, so treibt einen der Erfolg bei den ersten Schritten zu immer detaillierteren Kenntnissen. Jede neue Entdeckung macht zuversichtlicher, jedes gelungene Nachfragen spornt an. War man am Anfang noch ein eingeschüchterter Schuljunge, reift man nun immer mehr zum Experten.

Recherche-4

Man verliert sich in Details, die mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun haben, sie aber bei der finalen Umsetzung umso glaubhafter machen.

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Am Ende platzt der Kopf beinahe von all den Eindrücken und neuen Erkenntnissen. Da tut es gut, die kreative Rumpelkammer ein wenig auszulüften und sich ein wenig gehen zu lassen. Mein Glück damals war, dass zu der Zeit, als ich im Spessart war, überall Oktoberfeste stattfanden. Eigentlich nicht mein Ding, aber wenn man tagelang das Männlein im Walde war, so tat es doch gut, mit einem Bier anzustoßen und von Dingen zu labern, von denen man eigentlich keine Ahnung hat.

So gesehen ist es dann auch okay, dabei zu sein.

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28. Oktober 2009 / 9 Kommentare

Herbst

Endlich ist er wieder da, der herbstliche Selbstzweifel.

Man sagt mir nach, ich sei ein Gewohnheitstier. Das stimmt nur bedingt, denn ich koste aus, was ich mag, und das kann eine Zeit dauern. Allerdings überkommt mich irgendwann die Langeweile, und ich wende mich Neuem zu. In einer Plötzlichkeit, die für meinen Umkreis äußerst anstrengend sein kann. Ein quengelndes Kind ist ein Zen-Meister dagegen.

Nun ist es wieder so weit, denn es ist Herbst. Dann stelle ich mich am liebsten in Frage. Das liegt wohl daran, dass in dieser Jahreszeit Altes abgeworfen und Platz für Frisches geschaffen wird. Meine Psyche nimmt sich ein Beispiel daran.

In unregelmäßigen Abständen versuche ich mich neu zu orientieren, meistens dann, wenn sich meine Liebsten schon beruhigt zurücklehnen, im Glauben, ich sei nun endlich versorgt und richtig aufgegleist. Ich kann nichts dafür, es ist die Neugierde, die mich treibt. Und wenn es dann wieder einmal so weit ist, bin ich launisch, ungeduldig und mitunter auch verwirrt. Ich kann gut nachfühlen, wenn ich während dieser Zeit für manche unausstehlich bin. Immerhin reisse ich mich aus einem gefälligkeitsgeschwängerten Topf und zapple im sinnleeren Raum. Und wenn ich mich dann irgendwo wieder eingepflanzt habe, braucht es einen Moment, bis meine kreativen Wurzeln gefestigt sind. Ein nicht gerade kuscheliger Prozess, das muss ich zugeben. Aber ich brauche solche drastischen Wechsel, denn es gibt nichts Schlimmeres für mich als träge Selbstzufriedenheit. Nur so bleibe ich kreativ, und vor allem mir selber treu.

Es ist erstaunlich, in was für einer begrenzten Zone wir Menschen uns bewegen und auch noch zufrieden damit sind. Ein gutes Beispiel ist der Arbeitsweg. Es ist immer Derselbe! Dabei gäbe es sicherlich die eine oder andere Nebenstraße, in der man vielleicht etwas Neues entdecken könnte und trotzdem ans Ziel kommt. Aber nein, lieber quält man sich jeden Tag mit anderen Leidgenossen durch den allmorgendlichen Verkehrsstau.

Aber selbst in der Freizeit sind die Grenzen eng gesteckt. Man wählt sich eine Stammkneipe, der man – im gängigsten Fall – ein Leben lang treu bleibt (ich wette, viele Leute würden sich eher von ihrem Partner trennen, als von ihrer Stammkneipe, aber das ist ein anderes Thema). So ist das wohl mit der Freiheit. Hat man sie mal, weiß man nix damit anzufangen. Ist die Bequemlichkeit heutzutage das erstrebenswerteste Gut geworden? Ist unser Entdeckungsdrang tatsächlich völlig verkümmert? Gut, auch ich suhle mich gerne mal in der wohlig kuscheligen Routine, aber irgendwann schreit der Kolumbus in mir nach Erneuerung.

Ich gebe es mit Freude zu, ich habe mir ein Cintiq 21ux zugelegt. Im Grunde, weil ich mir davon eine große Zeitersparnis bei der Umsetzung meiner Adaption vom „Wirtshaus im Spessart“ erhoffe. Aber es ist – obwohl ich seit Jahren mit einem Wacom-Tablett arbeite – eine ungeheuer große Umstellung für mich. Ich merke wieder mal, wie gewöhnt ich an meine Technik war, und wie aufregend die Arbeits- und Sichtweise mit dem neuen Gerät ist. Wer meine Arbeit schon seit Längerem verfolgt, der weiß, wie sehr und häufig sich mein Stil erneuert hat. Es gibt viele Zeichner, die ihre Art zu Zeichnen niemals ändern. Das ist natürlich toll und mag für viele erstrebenswert sein, aber für mich ist es ein Gräuel. Dieses selbstzweiflerische Kribbeln im Bauch, wenn man etwas Neues und Unbekanntes versucht, das möchte ich nicht missen. Was man dabei alles entdecken kann, ist unbezahlbar.

Ach, ich freue mich schon auf meine nächste Sinnkrise. Daran könnte ich mich wirklich gewöhnen.

Ich hoffe, dass euer Herbst genauso wunderbar trübsinnig wird wie meiner!

Atelier-im-Herbst

20. Oktober 2009 / 16 Kommentare

Frankfurter-Buchmesse

Was man von nicht wenigen Beteiligten einer Messe zu hören bekommt ist: »Chrrr! … Eine Messe ist so anstrengend und chaotisch, hektisch und einfach „Bläh“!«

Ich halte das für eine Ausrede. Dafür, dass man öfter als sonst mit Freunden ein Bier trinkt, gut essen geht und viel zu lachen hat. Das ist durchaus anstrengend und chaotisch, hektisch und manchmal auch einfach nur „Bläh“. Aber es macht eben auch verdammt großen Spaß. Aber Spaß erzeugt Neid, und deshalb stülpt mancher über das Vergnügliche vorsorglich die Glocke der Plackerei.

Ich finde es einfach nur genial, und fertig!

Aber vielleicht liegt es auch daran, dass mein Verlag keine schwere Kost veröffentlicht. Ich möchte für keine Sekunde mit den Jungs der schweren Literatur tauschen. Der Zwang des Seriösen, die bedrohlich vorgeführte ernste Aura, das hängt über diesen Verlagen und Autoren wie eine wagnerische Gewitterwolke. Die Mundwinkel werden schon bei der Andeutung eines Lächelns sofort mit autokratischen Blicken nach unten gebogen. Gut, selber schuld! Ich meine, worum geht es denn in solchen Büchern? Da trifft ein Verlierer einen anderen Verlierer, und zusammen verlieren sie. Kein Wunder, wird der eine oder andere von solchen Büchern erdrückt. Aber lassen wir das!

Kommen wir dagegen zu der angenehmsten Überraschung der Messe! Quasi in letzter Minute habe ich eine Lesung bei erlesen.tv bekommen, die in einem alten Schulbus stattgefunden hat.

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Die Jungs dort sind einfach nur enorm sympathisch. Und spontan! Mein Begleiter, Claudio Del Principe, durfte ebenfalls kurzfristig eine Lesung halten. Er hat ein Kochbuch bei Gräfe & Unzer veröffentlicht, welches ich jedem nur empfehlen kann – aber dazu an anderer Stelle mehr. Die beiden Lesungen werden irgendwann in den nächsten Wochen bei erlesen.tv zu sehen sein, ich werde natürlich darüber berichten. Auf alle Fälle an dieser Stelle ein großes Dankeschön an Alex und Hayo!

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Dann ging es zu Lübbe, und ich war schon sehr gespannt darauf, wie der Baumhaus-Verlag dort eingebettet wurde. Sehr schön, nicht mehr und nicht weniger. Als ich dort ankam, wurde gerade das Bilderbuch „Keinohrhase & Zweiohrküken“ von Til Schweiger und Klaus Baumgart (mit ihm hat man eben den oben gemeinten Spaß, genauso wie mit dem wunderbaren Jens Jeddeloh!) vorgestellt, und die jungen Fans stapelten sich natürlich schichtenweise. Mir war das zu viel und ich schlenderte ein wenig rum. Dabei traf ich per Zufall alle Leute, die ich ohnehin treffen wollte. Das passiert immer an Messen, keine Ahnung wieso, aber praktisch ist es allemal. So nutzte ich die Zeit mit lieben Freunden und stimmte mich auf meine Buchpräsentation ein.

Halt, nein, einmal wäre auch ich beinahe in kreischendes Fan-Gehabe verfallen. Als ich gerade den in hoffnungsvollem Rosa glimmenden Stand von Kai aufsuchen wollte, schlenderte ein wie immer grimmig dreinblickender Ralf Husmann an mir vorbei, seines Zeichens Schöpfer von „Stromberg“, „Dr. Psycho“ und „Der Kleine Mann“. Aber ich habe mich zusammengerissen und ihn schlendern lassen. Man muss ja nicht alles haben.

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Dann ging es zur Präsentation von Anna Fink. Eigentlich hätte ich ja lesen sollen, aber die Moderatorin ließ mich beinahe nicht zu Wort kommen. Das Ganze hatte etwas marktschreierisches, und ich befürchtete schon, dass bei der anschließenden Verlosung meiner Bücher auch noch gleich drei Kilo Fisch und ein Orangenschäler dazugelegt würden. Gefreut hat mich der Besuch von Nina und Katrin, zweier sehr netter Buchkritikerinnen. Am nächsten Tag hatte ich dann noch eine Präsentation, an der ich dann auch gelesen habe, was beim ganzen Lärm in der Halle tatsächlich ganz gut geklappt hat.

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Ich liebe es zu signieren. Deshalb, weil ich jedem Leser zusätzlich noch eine Figur ins Buch zeichne, was einem doch mehr Zeit als üblich lässt, ein paar Worte mit seinem Gegenüber zu wechseln. Danke diesbezüglich an alle in der Schlange für die Geduld!

Apropos Signierung. Ich habe ja auch im Comic-Zentrum signiert, allerdings entpuppte sich das als ziemlicher Nervenakt, war man da doch von Herden von Cosplayern eingekesselt. Schnellimbiss-genährte Jugendliche in selbstgebastelten Manga-Kostümen, die zwar niemandem weh tun, aber auch niemandem wirklich nützen. Keiner von denen kaufte ein Buch, sondern wollte lediglich eine Zeichnung ins mitgebrachte Skizzenheft. Mehr als eine Art bierernsten Karneval konnte ich darin nicht erkennen, und ein „Wolle mer se rauslasse?“ lag mir auf der Zunge. Aber ich ließ es bleiben, waren diese Geschöpfe ja bis an die Zähne bewaffnet mit riesigen selbstgebastelten Kartonschwertern. Nicht auzudenken, was da alles hätte passieren können. Aber ich will mich da nicht allzu sehr auslassen und belasse es bei Armin Maiwalds Spruch aus der Sendung mit der Maus: »Das müsst ihr nicht verstehen, ist einfach so!«

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Ja, und dann war sie auch schon wieder vorbei, die liebe Buchmesse. Nächstes Jahr bin ich natürlich wieder dabei, aber es gibt noch viel zu tun. Vieles ist zwar schon fertig gebaut, aber noch mehr in Planung.

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Auf dass es beim nächsten Mal genauso anstrengend, chaotisch, hektisch und so richtig „Bläh“ wird. Prost!

Ach ja, ein paar Chinesen habe ich auch gesehen.

15. Oktober 2009 / 4 Kommentare

Der-richtige-Weg

Manchmal komme ich mir vor wie ein Reiseführer.

Nicht selten werde ich gefragt, welchen Weg man gehen soll, um ein Autor oder Comic-Zeichner zu werden und ob ich diesbezüglich nützliche Ratschläge hätte. Es macht mir nichts aus, solche Fragen zu beantworten, es bereitet mir in gewisser Weise auch Freude, denn ich würde lügen, wenn ich behauptete, es würde mir nicht schmeicheln. Allerdings wundere ich mich manchmal darüber, weshalb ich Antworten auf Fragen liefern soll, die sich der Fragende eigentlich selber beantworten müsste. Es kommt mir manchmal so vor, als wolle er dadurch Fehlschlägen ausweichen und Misserfolge auslassen, als könne er das Unerwartete einfach ausgrenzen.

Ich habe früher nie jemanden gefragt, wie ich das werden könnte, was ich heute bin. Ich habe es einfach ausprobiert. Mein Ziel war mir dabei zwar von Anfang an klar, der Weg dorthin aber völlig unbekannt. Ich bin einfach losmarschiert, ohne zu wissen, wo ich beim nächsten Schritt landen würde. Solange ich darauf achtete, mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, würde die Richtung schon stimmen. Ziemlich oft bin ich dabei auf die Nase gefallen, aber so ist das nun mal. Und angekommen bin auch ich noch lange nicht. Zum Glück!

Wenn mich also jemand fragt, welchen Weg er gehen soll, so ist die einzige Antwort, die mir einfällt, diese: Geh deinen eigenen, denn einen besseren gibt es nicht!

Und ich mache mich nun ebenfalls wieder auf den Weg, und zwar an die Frankfurter Buchmesse. Bin schon gespannt, was mir da Unerwartetes begegnet.

09. Oktober 2009 / 2 Kommentare

Druckausgleich

Manchmal leuchtet die schöpferische Inspiration auf Sparflamme. Dann läuft es nicht so, wie es sollte, oder noch schlimmer, wie man will. Da ist jeder Strich stümperhaft, jedes Wort desaströs und jede Idee kümmerlich. Man kommt sich vor wie der peinlichste Kandidat bei „Deutschland sucht den Superstar“, als absoluter Versager. Früher habe ich mich trotz völligem Kreativitäts-Vakuum stundenlang gequält, doch noch etwas Vernünftiges auf’s Blatt zu knorzen, was am Ende natürlich nur Futter für den Papierkorb wurde. Mein Gewissen biss mir dabei vorwurfsvoll in den Nacken, denn man muss ja seine wertvolle Arbeitszeit in diesen leistungsorientierten Zeiten verdammt noch mal sinnvoll nutzen. Außerdem versteht es niemand, wenn man erklärt, man habe den lieben langen Tag vor lauter Frust nix auf die Reihe gekriegt. Da erntet man nur Spott und Hohn, und überhaupt: Selbstständige haben es doch so schön! Die können aufstehen, arbeiten, Feierabend machen, wann immer es ihnen beliebt, diese verwöhnte Künstler-Bagage!

Aber irgendwann sah ich ein, dass es absolut in Ordnung ist, manchmal ein erschöpftes, völlig unnützes Mitglied der Gesellschaft zu sein. Und ich bin mir sicher, selbst der Papst furzt mal in der Kirche. Also Schwamm drüber!

Darum genieße ich mittlerweile die gelegentliche Schwermut sogar, schaue einen Film, trinke ein Glas Wein und lasse den Druck links liegen. Denn eines ist dabei sicher: Die darauf folgende Leidenschaft glüht dafür umso stärker.

30. September 2009 / 3 Kommentare

Hereinspaziert

Vorhang auf für Anna Fink!

Es ist also vollbracht, die Neugestaltung der Buch-Seite ist fertig! Endlich am Ziel, die Reise kann also beginnen. Ich hatte zwar bereits eine fertige Seite, aber als die Trilogie vom Baumhaus-Verlag übernommen wurde, änderte ich ja die komplette Buchgestaltung. Also musste ich zwangsläufig auch den Internet-Auftritt anpassen. War zwar eine Menge Arbeit, die aber großen Spaß gemacht hat. Gut, das eine oder andere Problem gibt es noch zu lösen (wie zum Beispiel die Downloads – Urgs! Man verzeihe mir diesen kleinen Ausrutscher!), aber das wird rasch erledigt. Hauptsache, das Ding läuft an!

Ich hoffe, euch gefällt ’s!

28. September 2009 / 16 Kommentare

Besetzungscouch

Comic-Schaffende schrammen oft an der Schizophrenie vorbei. Das liegt nicht daran, dass sie einsam in ihrem Atelier ihrer Leidenschaft frönen, sondern, weil sie Autor, Regisseur, Requisiteur und was weiß ich noch alles in einem sind. Das klingt verwirrend, ist es mitunter auch. Das merke ich zurzeit daran, dass ich gleich an mehreren Projekte gleichzeitig arbeite. Während ich an der Fortsetzung von Anna Fink schreibe (der Internet-Auftritt wird in den nächsten Tagen endlich aufgeschaltet), findet auf meinem Zeichenblock die Charakterauswahl für meine Comic-Adaption von „Das Wirtshaus im Spessart“ und meinem Bilderbuch „Lenas Insel“ statt. Die Projekte sind sehr verschieden, und darum tummeln sich auf der Besetzungsliege Figuren herum, die gegensätzlicher nicht sein könnten, was mir die Übersicht nicht gerade einfach macht.

Figurenfindung für Comics und Bilderbücher ist um einiges härter als das Gegenstück im realen Leben, können sich die gezeichneten Figuren ja mit körperlichen Reizen keinen Vorteil bei mir verschaffen. Darum muss eine Figur in ihrer Rolle völlig überzeugen. Andererseits birgt das Entwerfen einer Figur auch eine große Gefahr, der sich viele Zeichner nicht wirklich bewusst sind. Und dass ist die Gefahr der Evolution.

Hat man sich nämlich für eine Figur entschieden, sollte man es tunlichst vermeiden, sofort mit dem Zeichnen der Geschichte zu beginnen. Das Zeichnen eines Albums im Umfang von 40 bis 60 Seiten dauert etwa ein Jahr, und während dieser Zeit kann sich vieles verändern. Und am allermeisten die Figuren. Es gibt nichts Schlimmeres, als dass die Figuren auf der letzten Seite völlig anders aussehen als auf der Ersten.

Wie kann man das vermeiden? Indem man vor der eigentlichen Geschichte die Evolution der Figur abschließt. Konkret heißt das, man sollte die Figuren so oft wie es nur geht in den verschiedensten Situationen zeichnen. Dadurch werden sie lebendig und finden ihre endgültige Form. Das ist natürlich aufwendig, anstrengend und manchmal auch schlicht langweilig. Aber die Mühe lohnt. Am Ende kennt man seine Figuren in und auswendig und kann sich völlig auf die Umsetzung der Geschichte konzentrieren. Tut man dies nicht, tanzt einem die Figur auf dem Bleistift rum. Und dafür hat man als Comic-Schaffender nun wirklich keinen Nerv, gibt es doch so vieles, um was wir uns ja auch noch kümmern müssen. Und sei es nur, seine eigene Identität zu bewahren.

17. September 2009 / 8 Kommentare

Geistesblitz

Woher kommen deine Ideen?

Diese Frage höre ich immer, sobald sich ein Gespräch um meinen Beruf dreht. Meine Antwort lautet dann manchmal, dass ich zweimal im Jahr nach Ideenien reise und mir dort einen Vorrat an Ideen fange, denn ich habe auf diese Frage keine Antwort. Aber auch wenn mir Günther Jauch beim Stand von 500’000 Euro diese Frage stellen, und ich noch über alle Joker verfügen würde, ich würde mich sogar weigern, die Antwortmöglichkeiten zu sehen. Warum? Das soll die folgende kleine Anekdote klären.

Als ich klein war, habe ich mal einen Zeichentrickfilm aus der genialen Schmiede Kratky Film Praha (heißt übersetzt „Kurzer Film Prag“) gesehen, in dem es um einen einsamen Mann ging, der eines Tages herausfindet, dass er fliegen kann, einfach so. Daraufhin lässt er seinen Gefühlen freien Lauf, stellt mit seiner Fähigkeit einige verrückte Dinge an und wird glücklich. Natürlich bleibt so etwas nicht lange verborgen, und als er erwischt wird, schickt ihn die Obrigkeit in einen Flugkurs, wo er korrektes Fliegen lernen soll. Natürlich verlernt er es dann und fristet daraufhin wieder ein bedeutungsloses Leben.

Mich hat das damals sehr beeindruckt. Und immer, wenn mir heute die Eine Million Euro Frage gestellt wird, denke ich an diesen Film zurück und antworte voller Überzeugung: Ich weiß es nicht!

Zu groß ist meine Angst, dass ich, falls ich darüber nachdenke, woher ich meine Einfälle kommen, keine mehr haben würde. Ich vertraue einfach darauf, dass mir die Ideen nie ausgehen werden und überlasse anderen die Antwort.

Also liebe Leute, ihr braucht mir diese Frage nie mehr zu stellen. Und überhaupt: Nicht jede Frage braucht auch eine Antwort.

Übrigens hier ein Beispiel für einen Film der Kratky Film Praha. Die Qualität ist grauenhaft, aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass nur noch Mist in HD verfügbar ist. Der Film ist eine der frühesten Erinnerungen meiner Fernsehguck-Vergangenheit. Ich war überwältigt, als ich ihn gefunden habe. Hoffentlich bringen die Jungs der Kratky Film Praha mal eine DVD heraus, die haben einen Riesenschatz in ihren Archiven. Ihre Filme sind alle unheimlich, geheimnisvoll, grotesk und einfach nur genial.

Noch ein kleiner Hinweis: Wenn alles klappt, dann wird nächste Woche endlich der neue Internet-Auftritt von Anna Fink aufgeschaltet. Ein schöner Ausblick. Und mögen euch die Ideen nie ausgehen!

Fernweh

11. September 2009 / 6 Kommentare

In-der-Ruhe

Was ich an Filmen mag, sind die Bewegungen der Schauspieler. Selbst in den stressigsten Szenen wirken ihre Handlungen bewusst und wohl durchdacht. Natürlich ist so eine Körper- und Geistesbeherrschung das Resultat akribischer Vorbereitung, aber trotzdem versuche ich, mir daran ein Beispiel zu nehmen. Warum? Nun, weil ich einerseits tollpatschig bin (es grenzt an ein Wunder, dass ich mir noch nie einen Zeh gebrochen habe, so oft wie ich die an Tischbeine stoße), und andererseits, um die Umsetzungen meiner Ideen in bewusstere Bahnen zu lenken.

Dazu mahne ich mich zur Langsamkeit. Ich zügle meinen Drang, auf der Stelle an meinen Schreibtisch zu hetzen und loszulegen. Die Gefahr, dass ich mit einer zu übermutigen Realisierung einer Eingebung die Kreativität verscheuche, anstatt ihr Zeit zu geben, wie ein Hefeteig aufzugehen, ist zu groß. Also gehe ich erst mal mit der Idee schwanger und lasse sie wachsen. Das ist verdammt anstrengend, aber es lohnt sich. Denn wenn die Idee richtig reif ist, setzt sie sich fast von alleine um.

Zeichnen-1

Konfuzius hat mal gesagt: »Such dir einen Beruf, den du liebst, und du wirst dein Leben lang nicht arbeiten.«

Da hat der Gute wirklich Recht, und ich bin unsagbar froh darüber, das Glück gehabt zu haben, dass meine Leidenschaft auch wirklich mein Beruf geworden ist. Ich kann mir wirklich fast nichts Schöneres vorstellen, als mich in mein Atelier zurückzuziehen und loszulegen. Früher hatte ich deswegen tatsächlich ein schlechtes Gewissen, denn wenn ich an einem Fest Unbekannten von meinem Beruf erzählt habe, war ein gewisser Neid häufig zu spüren – ich habe dann manchmal einfach gesagt, ich sei Kaufmännischer Angestellter, das ersparte mir bohrende Fragereien und Missgunst. Aber es passierte auch, dass ich anfing, mir selber Steine in den Weg zu legen, nur damit ich auch mal sagen konnte: »Heute war wieder mal ein Scheißtag im Büro!« Das ließ ich aber bald bleiben. Mir geht es blendend, und dazu stehe ich!

Jetzt bin ich ein wenig abgeschweift, aber das hat seinen guten Grund. Kreativ zu sein heißt für mich, sich völlig vom Alltag zu lösen und sich komplett einer Idee hinzugeben. Das wird einem oft ziemlich schwer gemacht – vor allem in diesen Breitengraden –, und es war für mich ein hartes Stück Arbeit, bei der Umsetzung einer Idee nur noch auf mich zu hören. Die äußeren Einflüsse der Gesellschaft, in der man lebt, sind prägender, als sich so mancher eingestehen will. Und wir leben in einer Gesellschaft, in der einfach alles rasend schnell gehen muss. Da bleibt einiges auf der Strecke. Ich arbeite zwar schnell und effizient, aber eben mit Bedacht und Ruhe.

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Jeder Mensch hat sein Tempo. Manchmal geschieht es, dass mir das Zeichnen fremd vorkommt, nicht vertraut. Das liegt daran, dass ich mein Tempo nicht einhalte. Ich erkenne mein Tempo am Widerstand des Papiers, wenn mein Stift darüber streicht, und am Geräusch, das dabei entsteht. Auch erkenne ich es, wenn ich plötzlich im Motiv eintauche, es beinahe fassbar und lebendig wird. Mein Atem wird gleichmäßig und eine wohlige Ruhe umgibt mich. Ein Gefühl völliger Entspannung, aus der schwer wieder rauszufinden ist.

Denn natürlich holt der Alltag einen wieder ein, spätestens dann, wenn der Einkauf, das Aufräumen und sonstige Verpflichtungen vor der Tür stehen. Aber bis dahin habe ich mich in ein schönes Motiv gezeichnet (oder geschrieben), ganz langsam und bewusst.

Ich bin froh darüber, dass mir das immer besser gelingt. Fast wie im Film.

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02. September 2009 / 17 Kommentare

Freunde

Wann wart ihr das letzte Mal allein?

Das ist heutzutage fast unmöglich. Heute muss man alles teilen, sei es noch so bedeutungslos. Und wehe, man tut es nicht!

Wenn ich nicht mindestens 5000 Freunde habe, verliere ich mein Gesicht, wenn ich nicht das Neueste sogleich von den Dächern zwitschere, droht mir eine Vogelattacke hitchcockschen Ausmaßes, und wenn ich keinen eigenen Zweit-Platz im Netz habe, dann habe ich dort ohnehin nix verloren.

Ich bin ja ein ziemlicher Technik-Narr und neuesten medialen Fort- und Rückschritten manchmal sogar viel zu offen eingestellt. Aber sobald ich zugebe, dass ich weder auf Facebook, Twitter und nicht einmal auf MySpace präsent bin, sieht man in mir nur noch den rückständigen Neandertaler. Aber Himmel, warum brauche ich 5000 beste Freunde? Wer möchte wissen, dass ich gestern mein kurzärmeliges Oberteil wieder einmal verkehrt herum getragen habe? Und weshalb brauche ich neben diesem Auftritt noch einen Platz im Internet – ich bin doch nicht schizophren! Zugegeben, das hat manchmal durchaus seine Berechtigung, aber ich schaue dem Trubel lieber von Außen zu, denn ohne geht es nämlich auch ganz prima.

Gut, ganz so drastisch wie mein guter bayrischer Zeichner-Kollege Franz Gerg, der ohne Computer und Telefon in einer einsamen Hütte auf der Alm arbeitet, bin ich dann auch wieder nicht. Aber wir leben in einer Zeit, in der wir die Mittelmäßigkeit feiern, und dort ist man ja schnell dabei, denn dabei sein wollen alle. Ich weiß nicht genau, warum. Wahrscheinlich, weil der Mensch ein Herdentier ist. Aber alle schreien nach Individualität, nur Bitte schön unbedingt zusammen.

Ich für meinen Teil genieße die Zeit, in der ich ganz alleine bin, denn manchmal bin ich selber für mich die beste Gesellschaft. Nur, damit ihr ’s alle wisst!

24. August 2009 / 6 Kommentare

Fussballhelden-Gold

Es ist wieder Zeit für Helden. Für Fußballhelden, um genau zu sein. Allerdings frage ich mich, was am Fußballspielen so heldenhaft sein soll. 22 Jungs fetzen sich um eine Kugel, und die Zuschauer fiebern mit, als ginge es um ihre Existenz. Na, ja!

Und dann das ewige Gejaule! Peinliches Jammern, sobald man ein bisschen angerempelt wird, sinnloses Protestieren bei Schiedsrichterentscheidungen, die ja sowieso nie zurück genommen werden, ständiges Rausreden bei schwachen Leistungen, dass man in letzter Zeit ja ach so viele Partien bestreiten musste. Ich frage mich langsam, weshalb eigentlich nie solche Proteste aus anderen Sportarten zu hören sind. Eishockey und Tennis zum Beispiel. Die rattern ein ungemein dichteres Pensum ab, heulen tun sie trotzdem nicht. Aber Fußballer sind die Helden, klar!

Man merkt, ich bin Fußballfan.

Darum fiel es mir am Ende dann doch nicht ganz so schwer, die Herren Carlos und Maradona in ein heldenhaftes Licht zu rücken.

16. August 2009 / 18 Kommentare

Rosenkavalier

Mein Ältester hat den Dreh mit dem Dankeschön langsam raus. Er holt sich die Sache, die er möchte und sagt dann Dankeschön. Ziemlich gewieft, muss ich schon sagen. Das Bitte davor kriegen wir auch noch hin, da bin ich zuversichtlich.

Aber ich möchte mir an meinem Ältesten ein Beispiel nehmen und mich hier und jetzt bei all denjenigen bedanken, die mir bei der Anna Fink – in welcher Form auch immer – geholfen haben. Es waren derer so viele, dass ich wohl unmöglich alle namentlich aufzählen kann. Deshalb ist die Blume des Dankes entsprechend mächtig.

Ein weiterer Anlass für mein Dankeschön ist das Schaufenster einer Buchhandlung, in der ich mein Buch entdeckt habe. Gut, zugegeben, ich werde dort im September eine Lesung halten, trotzdem hat es für mich symbolischen Charakter. Nach all den Jahren, von der Niederschrift der ersten Ideen bis hin zur Verlagsfindung, ist das Buch endlich am Ziel angelangt: in einer Buchhandlung. Damit ist die Reise meines Buchprojekts endlich abgeschlossen. Aber die Koffer bleiben gepackt, denn ich bleibe – wie ich hoffe – noch lange unterwegs.

Anna-im-Schaufenster

11. August 2009 / 2 Kommentare

Tee-zu-Babel

Die Menschheit ist dem Untergang geweiht, klar. Aber ich zwinge mich zur Hoffnung, was mir jedoch immer schwerer fällt.

Die folgende Situation soll das veranschaulichen. Eigentlich müsste ich ja dankbar darüber sein, dass mir eine solche Geschichte widerahren ist, denn so brauche ich mir nichts aus den Fingern zu saugen. Aber eben …

Ich wollte mir in einem international bekannten Kaffeehaus ein belegtes Brot gönnen. Man kennt ja mittlerweile meine Abneigung gegenüber Anglizismen, und ich kann nicht anders, als englisch betitelte Waren in Deutsch zu bestellen. Der Dialog gestaltete sich wie folgt:

»Was hätten Sie gerne?« Immerhin lächelte die Angestellte erwartungsfroh.
»Ein Truthahn-Käse-Brot.«, sagte ich ebenfalls lächelnd.
»Ein was?«
»Ein Truthahn-Käse-Brot!«
Sie blickte leicht verwirrt auf die Theke. »Äh … Ich glaube, das haben wir nicht.«
Ich hatte nichts anderes erwartet und zeigte mit dem Finger auf das gewünschte Brot. »Doch, haben Sie.«
Sie blickte mich tatsächlich tadelnd an, fast schon so, als sei ich ein kleines Kind. »Ach, das Turkey ’n‘ Chees Sandwich. Na, sagen Sie das doch gleich!«
»Das habe ich.«
Während sie das Brot aus der Theke nahm, habe ich Blut geleckt und wollte herausfinden, wie nahe ich das Ganze zur Spitze treiben könne. Also sagte ich: »Und dann hätte ich gerne noch einen Milchtee.«
»Also, das haben wir ganz sicher nicht.«
»Wirklich?«
Sie wirkte beinahe so, als würde sie mich bemitleiden. »Ja. Aber wissen Sie was? Ich kann Ihnen gerne einen Schwarztee machen und ein Kännchen Milch dazu stellen.«
Ich war kurz von diesem Vorschlag überwältigt. Dann setzte ich zur Pointe an. »Ach, nein! Die Mühe brauchen Sie sich nicht zu machen, danke. Dann nehme ich einfach einen Chai Latte.«
Sie antwortete nur: »Gerne!«

Obwohl wir dieselbe Sprache sprechen, haben wir uns nicht verstanden. Und unsere Hochhäuser werden immer höher. Kein gutes Zeichen!

03. August 2009 / 8 Kommentare

Gottheit

Männer wollen bewunderte Helden sein, oder zumindest Gottheiten. Letztens war ich sehr nahe dran.

Meine Frau war weg wegen irgendwelcher dringender Besorgungen, und ich alleine mit meinen beiden Söhnen. Der Frischeste lag in meinem Arm, weil er gerade zu nichts anderem Lust hatte. Trotzdem, oder gerade deswegen, fing ich an zu kochen – was ich zwar sehr gerne tue, aber auch nicht gerade spitzenmäßig beherrsche (da räume ich das Feld lieber diesem guten Freund). Aber ich liebe eben Herausforderungen. Also bereitete ich einarmig Risotto mit Schnitzel und Gemüse zu, deckte einarmig den Tisch, und servierte das Essen einarmig. Voller Stolz präsentierte ich dann meiner Frau einarmig meine Heldentat. Sie nickte nur beiläufig und meinte dann in leicht schroffem Ton, ich hätte doch lieber, anstatt zu kochen, den Müll entsorgen, die Wäsche machen und ein wenig abstauben können. Ich dachte zuerst, sie nimmt mich auf den Arm. Zugegeben, sie wirkte mit all den Einkäufen, die sie trug, schon ein wenig abgekämpft und ungeduldig. Aber, Mann, sie begriff überhaupt nicht, was ich da für ein Wunder mit nur einem Arm zustande gebracht habe.

Frauen! Sie verstehen nie, um was es eigentlich geht.

Außerdem fing der Frischeste an zu quengeln, weil er an die Brust wollte, und der Älteste wollte denn auch lieber mit der Eisenbahn spielen als mein Risotto zu goutieren. Schlussendlich saß ich alleine vor meinem Essen und wünschte mir Thors Hammer, um auf den Tisch zu hauen. So ist es um uns Helden bestellt. Niemand bewundert uns mehr, niemand sieht mehr zu uns hoch. Dabei sind unsere Ansprüche mit der Zeit richtig bescheiden geworden.

Ab und zu ein kleines Lob würde uns nämlich auch schon reichen.

23. Juli 2009 / 6 Kommentare

Schreckenskabinett

Etwa so könnte man meinen letzten Besuch in einer öffentlichen Badeanstalt beschreiben.

Aber zuerst eins vorneweg: Ich bin weit davon entfernt, eine Stilikone zu sein. Außerdem lasse ich öfter die Fünfe grade sein, als so manchem lieb wäre. Aber was sich manchmal in einer der romantischsten und charmantesten Badeanstalten in meiner näheren Umgebung blicken lässt, das gefriert einem auch bei der gnadenlosesten Hitze das Blut in den Adern.

Mein bald 3-jähriger Sohn entdeckte endlich seine Freude am Baden und nötigte mich deshalb bei jeder Gelegenheit ins Schwimmbecken. Darüber war ich natürlich hellauf begeistert, aber der Anblick, der sich mir dann bot, ließ mich stark an meiner eigenen Spezies zweifeln. Ich kam mir vor wie in einer Deix-Illustration.

Herrgott, ich und meine Frau haben nun auch zwei Kinder, aber wir lassen uns deshalb nicht gehen, als gäbe es kein Morgen mehr. Leute, reißt euch bitte schön zusammen!

Okay, ganz so schlimm war es im Nachhinein nicht, aber ich schwöre, dass die oben abgebildeten Personen exakt so aussahen – was die Erinnerung daran eben doch so schlimm macht. Aber es lenkt wenigstens davon ab, dass ich mit meiner Seite nicht so schnell voran komme, wie ich es geplant hatte. Immerhin etwas!

Trotzdem ist der Sommer schön. Genießt ihn!

20. Juli 2009 / Kommentar schreiben

SchneckentempoMeine neue Seite, und zwar genauso rasant wie auf dem obigen Bild. Nun sind also bereits die Rubriken Bilderbücher & Romane gefüllt. Aber ich ruhe mich jetzt nicht auf diesem epochalen Fortschritt aus, nein, nein. Die nächste Rubrik wirft ihren Schatten bereits voraus. Ich schleiche weiter, da kenn ich nix!

Wenn doch alles so schnell vorwärts ginge: die nächste WM, die letzten beiden Staffeln von Lost, die Stubenreinheit meiner beiden Söhne. Aber es kann eben doch nicht alles so fix gehen wie hier.

17. Juli 2009 / 6 Kommentare

Auf-ein-NeuesJa, so bin ich denn nun los geflogen. Angekommen bin ich auf meinem neuen Internet-Auftritt zwar noch nicht, wie man an den leeren Rubriken unschwer erkennen kann, aber das kommt noch. Hauptsache der Anfang ist gemacht! Bringt ja nix, ewig rumzufummeln. Ich werde mich also in den nächsten Tagen daran setzen, mein neues elektronisches Zuhause einzurichten und bin schon mächtig gespannt, wer alles vorbei schauen wird.